Aus dem verregneten Morgen …

… wur­de ein schö­ner Sonn(en)tag.

oben rechts: Islay-House – das größ­te gro­ße Haus auf Is­lay, mit ei­ner in­ter­es­san­ten Ge­schich­te
oben links: Die ver­meint­li­ch ech­ten Schot­ten er­wie­sen si­ch als Deut­sche.
un­ten: Im Islay-House-Garden – Der ur­sprüng­li­che Kü­chen­gar­ten des Hau­ses wird heu­te von An­ge­stell­ten und Frei­wil­li­gen be­wirt­schaf­tet. Er ist je­der­zeit zur Be­sich­ti­gung und zum Ver­kauf der Pro­duk­te ge­öff­net. Schon in Edin­burgh hat­te ich blü­hen­de Ka­me­li­en ge­se­hen.

Der Sonn­tag ist auf Is­lay ein wirk­li­cher Ru­he­tag. Die Tou­ris­ten­in­for­ma­ti­on ist ge­schlos­sen, Bus­se ver­keh­ren nicht. Aber wir woll­ten so­wie­so die Um­ge­bung zu Fuß er­kun­den.
Weil ge­ra­de Eb­be war, konn­ten wir an­fangs am Ufer des Loch In­da­al ent­lang ge­hen. Wel­ch ei­ne Pracht an Mu­scheln, Schne­cken, Al­gen und Se­epo­cken.

Und die­se Flech­ten!

Die Fe­der mit Was­ser­trop­fen war auch ein tol­les Fo­to­ob­jekt.

Bald er­reich­ten wir den fla­chen, san­di­gen Küs­ten­ab­schnitt zwi­schen Bow­mo­re und Brid­gend. 30 000 Gän­se ver­brin­gen die Zeit von Mit­te Ok­to­ber bis Mit­te April auf Is­lay, ein Groß­teil da­von hier am Loch In­da­al. Die Gän­se sind aber sehr scheu lau­fen­den Men­schen ge­gen­über. Wenn man ih­nen zu na­he kommt sind sie auf und da­von. Wenn hin­ge­gen ein Au­to oder ein Bus vor­bei fährt, ver­blei­ben sie ganz un­be­ein­druckt.

Auch die Scha­fe wa­ren ähn­li­ch scheu. Wahr­schein­li­ch kommt zu sel­ten je­mand zu Fuß da­her.

Am Nach­mit­tag hat uns dann doch no­ch ein Re­gen­schau­er über­rascht. Als Ent­schä­di­gung gab´s aber ei­nen schö­nen Re­gen­bo­gen und Kaf­fee und Ku­chen am Ka­min vom Ho­tel Brid­gend.

Zur Insel Islay

Am Tag nach dem Woll­fest ha­ben wir uns in al­ler Frü­he auf den Weg zur In­sel Is­lay ge­macht. Ein biss­chen aben­teu­er­li­ch ist die Rei­se mit den öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln schon. Zu­er­st ging es mit dem Zug nach Glas­gow. Lei­der war es reg­ne­ri­sch, so­dass die Ort­schaf­ten eher grau und düs­ter aus­sa­hen.
In Glas­gow ha­ben wir dann den Weg zum Bus­bahn­hof nicht gleich ge­fun­den und ge­ra­de­so no­ch un­se­ren Bus zum Fähr­ter­mi­nal in Ken­na­craig er­reicht. Es ist ei­ne ziem­li­ch lan­ge Fahrt bis da­hin. Er­st geht es fast 100 km nach Nor­den am Loch Lo­mond ent­lang und über die Ar­ro­ch­ar Alps, da­na­ch am Mee­res­ar­mes Loch Fy­ne wie­der 100 km nach Süd­en. Ich hat­te mi­ch auf schö­ne Aus­sich­ten auf Was­ser und Ber­ge ge­freut, aber es war meis­tens nur ne­bel­ver­han­gen.

Trotz Be­den­ken er­reich­te der Bus das Fähr­ter­mi­nal pünkt­li­ch. Es gab er­s­te Wol­ken­lü­cken und Is­lay emp­fing uns dann mit Son­nen­schein. Die Bus­fahrt nach Bow­mo­re zeig­te schon, was uns er­war­ten wird: Scha­fe, Gän­se, Wie­sen und Meer.

Das Ho­tel er­wies si­ch als Glücks­griff. Das Zim­mer war klein, aber fein au­ge­stat­tet und es hat­te ei­nen tol­len Bli­ck auf den Ha­fen und das Meer.

Wir sind gleich zum ers­ten Spa­zier­gang auf­ge­bro­chen. Bei Wind­schat­ten und Son­ne war es so warm, dass man die Ja­cke gar nicht mehr brauch­te. Die In­sel­kin­der wa­ren auch schon mit den Fü­ßen im Was­ser.

Ein klei­ner Pfad führ­te ober­halb der Küs­te am Meer ent­lang. Der Weg war von Nar­zis­sen, Gins­ter, Huf­lat­tich und Sumpf­dot­ter­blu­men ge­säumt …

… und bot ei­ne wun­der­ba­re Rund­sicht über den Mee­res­arm Loch In­da­al bis zu den Ber­gen.

Der Rück­weg führ­te am Was­ser ent­lang. Ich war to­tal aus dem Häus­chen, was es hier für Mu­scheln und Al­gen gab!

Und dann ha­be ich ei­nen Herz­see­igel ge­fun­den! Den hät­te ich viel­leicht gar nicht er­kannt, wenn ich mi­ch nicht schon nach un­se­rem Som­mer­ur­laub da­mit be­fasst hät­te. So ei­ne Freu­de! In­zwi­schen ist er ein biss­chen ge­putzt in mei­ner See­igel­samm­lung ge­lan­det. (Oben links sind wahr­schein­li­ch Well­horn­schne­cken­ei­er zu se­hen.)

Bis zum Son­nen­un­ter­gang sind wir wei­ter durch die Stra­ßen spa­ziert.

Bow­mo­re ist der Haupt­ort der In­sel und trotz­dem win­zig. Den­no­ch gibt es sehr viel Lie­bens­wer­tes zu ent­de­cken.

Edinburgh Yarn Festival

Gleich nach dem Früh­stück hat­te ich mi­ch auf den Weg zum Woll­fest ge­macht. Vor dem Ein­gang stand schon ei­ne Schlan­ge, aber das war über­haupt nicht schlimm. Al­le wa­ren gut be­tucht und be­mützt und man­che hat­ten schon ih­re Män­tel aus­ge­zo­gen, um Pull­over oder Ja­cken zu zei­gen. Al­le Neu­an­kom­men­den muss­ten an der Schlan­ge ent­lang ge­hen, die Stra­ße wur­de prak­ti­sch zum Lauf­steg. Die Or­ga­ni­sa­to­rin­nen ver­teil­ten schon vor Be­ginn die Ein­lass­bänd­chen, so dass es dann bei Öff­nung der Tü­ren schnell ging.

In­zwi­schen hat­te ich aber auch Frau­en ent­deckt, die ich bis­her nur on­line kann­te und wir konn­ten nun auch mal echt mit­ein­an­der re­den.

Zu­er­st ha­be ich mei­ne Ein­kaufs­lis­te ab­ge­ar­bei­tet.
Da war zum Bei­spiel no­ch ein Weih­nachts­ge­schenk of­fen: „Shel­ter“ von Brook­lyn Tweed für ei­ne Strick­ja­cke. Ja­red Flood war so­gar selbst an­we­send und hat mir dann mei­ne Wol­le si­gniert. Ich ha­be mi­ch für die Far­be Fl­an­nel ent­schie­den. Die­se Ja­cke soll es wer­den.

Au­ßer­dem woll­te ich gern mal die fin­ni­sche Tu­ku­wool Fin­ge­ring aus­pro­bie­ren, von der so viel ge­schwärmt wird. Ge­ra­de recht­zei­tig war die An­lei­tung für die Ja­cke „Samm­al“ von Jo­ji Lo­ca­tel­li er­schie­nen. Da­für wan­der­ten 6 Strän­ge in ty­y­ni in mei­ne Ta­sche.

Wei­ter ging es zu Ysol­da. Lei­der ha­be ich von ihr nur ein ganz ver­wa­ckel­tes Fo­to, aber an dem Stand war auch tüch­ti­ges Ge­drän­ge. Zur Er­gän­zung mei­nes Be­stan­des ha­be ich das Garn­päck­chen mit­ge­nom­men, das ei­gent­li­ch für Puls­wär­mer be­stimmt ist. Ysol­da hat­te ex­tra für das Fest ein biss­chen Wol­le ge­färbt. Au­ßer­dem gab es bei ihr sehr vie­le in­ter­es­san­te Bü­cher.

Gleich ge­gen­über war der Stand von „Bey­ond Me­a­su­re“. Mit so ei­nem höl­zer­nen Na­del­kis­sen hat­te ich schon lan­ge ge­lieb­äu­gelt und so hüpf­te es zu mei­ner Wol­le. Ich ha­be es am Wo­chen­en­de auch gleich mal aus­pro­biert. Weil ich näm­li­ch sehr un­ent­schlos­sen vor mei­nen neu­en Woll­schät­zen saß und das Ge­wis­sen im­mer rief, dass ich das an­ge­fan­ge­ne erst­mal fer­tig ma­chen soll­te, ha­be ich ein­fach ein biss­chen ge­näht.

Nun mus­s­te ich no­ch den Stand von J. C. Ren­nie & Co. su­chen. Mei­ne Toch­ter hat­te mir et­was von der schö­nen Uni­que Shet­land mit­ge­bracht und ich woll­te no­ch zwei Knäu­el, da­mit es für ei­nen Pull­over reicht. Die zwei Frau­en muss­ten ei­ne Wei­le gra­ben, bis sie die rich­ti­ge Tü­te ge­fun­den hat­ten. Die Freu­de dar­über war groß. Und es ist so­gar die glei­che Par­ti­en­um­mer!

Nun ging es aber zum Stand von Ka­te Da­vies! Ich war ja ein biss­chen auf­ge­regt, aber Ka­te war von mei­ner Pull­over­ver­si­on sehr be­geis­tert. Be­son­ders mei­ne Raglan­li­nie hat ihr sehr gut ge­fal­len. Ich ha­be ihr auch mein ers­tes Qua­drat für die Birlinn-Decke ge­zeigt. Das hat­te sie so­gar schon bei ra­vel­ry an­ge­se­hen. Tom hat dann no­ch ein Fo­to mit Ka­te für mi­ch ge­macht. In Vor­schau auf die wei­te­re Rei­se ha­be ich no­ch ei­ne Strang ih­rer Wol­le in der Far­be Is­lay mit­ge­nom­men. Den zei­ge ich dann bei den In­sel­fots mit.

Ka­te trägt den Pull­over „Port Char­lot­te“ aus der „In­spi­red by Islay“-Kollektion (der könn­te mir auch ge­fal­len, nur nicht in weiß), Tom die Wes­te „Car­raig Fha­da“.

So wa­ren die ers­ten zwei Stun­den wie im Flu­ge ver­gan­gen. Nun ha­be ich mi­ch in al­ler Ru­he vom Strom der Gäs­te trei­ben las­sen. Die Stän­de wa­ren sehr an­spre­chend de­ko­riert. Über­all wa­ren Mus­ter und Mo­del­le zu be­wun­dern.

Ja­mie­son hat­te Tü­ten nach Fo­to­mo­ti­ven ge­packt. Das hat mir be­son­ders gut ge­fal­len.

Auch die­se bun­ten Hä­kel­de­cken lie­ßen mein Herz hö­her schla­gen. (No­tiz für mi­ch: Ich ha­be no­ch ei­ne an­ge­fan­ge­ne Blüm­chen­de­cke!)

Bei Lu­cy Ha­gue ha­be ich die wun­der­ba­ren kel­ti­schen Mus­ter be­staunt und dann ei­ne An­lei­tung mit­ge­nom­men.

Ne­ben vie­ler bun­ter Wol­le gab es na­tür­li­ch auch die na­tur­be­las­se­ne von den ver­schie­de­nen Schaf­ras­sen, ne­ben Strick- und Hä­kel­mo­del­len Ge­näh­tes aus Wollt­weed, Ge­web­tes und Ge­filz­tes.

Be­son­ders oft wa­ren Jac­quard­stri­cke­rei­en zu se­hen, ei­nesrseits weil die Tech­nik ja in Schott­land zu hau­se ist und an­de­rer­seits, weil si­ch al­le mit ih­ren schöns­ten Mo­del­len schmü­cken woll­ten. Rechts oben ist das neue Tuch von Ma­ri­on Bu­lin zu­se­hen, hier ge­strickt und ge­tra­gen von Woll­weg. Ma­ri­on selbst trug aber die­se Tuch. Das ist doch ei­ne ge­nia­le Idee, oder? Die An­lei­tung da­zu soll auch in Kür­ze er­schei­nen. Ich den­ke, dass muss ich mal pro­bie­ren …

Der Pull­over un­ten links steht auch schon auf mei­ner Lis­te. Es ist Tel­ja von Jen­ni­fer Stein­gass, hier ge­strickt und ge­tra­gen von Ku­ni­bert.

Be­vor ich dann zum Knopf­kurs bei Ta­nia Ja­ne von TJ Frog ge­gan­gen bin, ha­be ich no­ch zwei Strän­ge pas­send zu mei­nem To­sh Me­ri­no light in de­ep ge­kauft. Bei­de ha­ben die glei­che Garn­ba­sis. Das Ge­spren­kel­te ist von ein La Bi­en Ai­mée die Far­be So­su, das an­de­re von Ripp­les Crafts die Far­be A Sli­ce of Li­me. Da­mit möch­te ich mal mehr­far­bi­ges Pa­tent stri­cken.
Der Knopf­kurs war dann ein schö­ner Ab­schluss des Woll­markt­be­su­ches. Es ist gar nicht schwie­rig, so ei­nen ein­fa­chen Zwirn­knopf her­zu­stel­len. Aber in­zwi­schen ha­be ich schon ge­se­hen, dass man auch rich­ti­ge Kunst­stü­cke dar­aus ma­chen kann. No­ch et­was, was ich mal pro­bie­ren will …

Es war wirk­li­ch ein sehr schö­ner Wollfest-Tag! Ich wur­de sehr oft we­gen mei­nes Pull­overs an­ge­spro­chen und ha­be vie­le lo­ben­de Worte ge­hört. Das hat mir auch rich­tig gut ge­tan. Zu hau­se pas­siert mir das kaum. Meis­tens sind die Leu­te er­st dann er­staunt, wenn ich sa­ge „selbst­ge­strickt“. Da­mit rech­net hier ein­fach nie­mand.

Am Abend wa­ren wir ja dann no­ch zum Ceilidh-Tanzabend. Da­bei wer­den tra­di­tio­nel­le Ge­mein­schafts­tän­ze ab­sol­viert, die al­le ih­re ei­ge­nen Be­we­gungs­ab­läu­fe ha­ben. Wir ha­ben auch ei­ni­ge Ma­le ver­sucht, mit zu tan­zen. Das war sehr lus­tig! Es ist gar nicht so ein­fach, si­ch die Be­we­gungs­ab­fol­ge zu mer­ken ;).