Auf den Stromboli

Ich gebe zu, ich war ein biss­chen auf­ge­regt, weil ich mei­ne Kondition nicht rich­tig ein­schät­zen konn­te. In einer Gruppe von 20 Personen soll­ten wir in 2 Stunden 920 m hoch stei­gen und dann natür­lich auch wie­der hin­un­ter. Der Abstieg mach­te mir noch mehr Sorgen. Ich gehe viel lie­ber hoch statt run­ter und brau­che nor­ma­ler­wei­se abwärts auch län­ger.

Die Gedanken dar­über hat­ten mich ganz ver­ges­sen las­sen, dass wir erst­mal mit einem klei­nen Motorboot fah­ren muss­ten. Geschaukelt hat es zum Glück nicht, aber es war so laut und stank so sehr nach Diesel, dass ich sehr froh war, als wir die Insel Stromboli erreicht hat­ten.

Den Stromboli darf man nur in Begleitung eines Bergführers bestei­gen. Unsere Gruppe wur­de von Lorenzo von Magmatrek geführt. Nach Helmverteilung, Ausrüstungskontrolle und Sicherheitsbelehrung ging es los. Das Tempo war gemäch­lich und es gab meh­re­re Zwischenstopps, in denen wir Informationen zu Vegetation, Vulkanismus und Gestein erhiel­ten.

So war es über­haupt nicht müh­sam, den mitt­le­ren Gipfel des Vulkans zu errei­chen. Kurz vor dem Ziel begrüß­te uns der Stromboli mit einer präch­ti­gen Lavafontäne. Ein Feuerwerk im wahrs­ten Sinne des Wortes! Leider hat­te ich den Fotoapparat nicht zur Hand.

Oben ange­kom­men, war die Sicht auf den akti­ven klei­nen Gipfel durch den auf­stei­gen­den Wasserdampf sehr ver­ne­belt. Aber man konn­te ihn fau­chen hören und schon das war beein­dru­ckend. Auf ein­mal weiß man, wie die Märchen von den feu­er­spei­en­den Drachen ent­stan­den sind.
Von oben konn­ten wir dann kei­ne Eruption mehr rich­tig sehen, aber das kräf­ti­ge Rumpeln war zu hören und mit Vulkanasche wur­den wir auch berie­selt. Nach dem Sonnenuntergang waren die Krater deut­lich zu erken­nen.

Etwa eine Stunde haben wir auf dem Plateau gestan­den. Dass es da oben rich­tig kalt wer­den wür­de, hat­te ich nicht ver­mu­tet. Am Ende habe ich so gefro­ren, dass ich die Kamera nicht mehr ruhig hal­ten konn­te.
Der befürch­te­te Abstieg war dann ganz ein­fach. Es ging eine Sandpiste hin­ab, fast wie eine Rutschpartie durch tie­fen Schnee. In 20 Minuten hat­ten wir 500 m Höhenunterschied über­wun­den.

Wir hat­ten bei unse­rer Tour nicht den Eindruck, dass es gefähr­lich wer­den könn­te. Aber die Vulkantätigkeit ist unbe­re­chen­bar. Ende Oktober hat es einen gro­ßen Ausbruch gege­ben. Letzten Freitag habe ich die­se Webcam gefun­den und ein biss­chen geguckt. Da war rich­tig was los. Fast aller 5 Minuten konn­te man einen Ausbruch beob­ach­ten. Ich habe ein paar screen­shots gemacht. An die­sem Tag soll sich ein neu­er Schlot geöff­net haben. Momentan scheint es aber rela­tiv ruhig zu sein.

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Das war jetzt der Bericht von mei­nem schöns­ten Ferienerlebnis 😉 und damit endet die Sizilienserie (end­lich - habe ich gehört). Bald gibt es wie­der Handarbeiten zu sehen.

Abstecher nach Lipari

Sizilien wird manch­mal auch die Insel der Feuerberge genannt. Während wir gedank­lich eini­ge Male um den Ätna her­um­ge­schli­chen sind, wuchs die Idee, den Stromboli zu bestei­gen. Als Tagestour ist das aber von Sizilien aus nicht mög­lich. Deshalb plan­ten wir, drei Nächte auf Lipari zu ver­brin­gen und von dort aus eine Exkursion zum Stromboli zu machen.
Dass es der­art stür­misch sein könn­te, dass die Tour aus­fällt, damit hat­ten wir über­haupt nicht gerech­net. Erstmal waren wir natür­lich sehr ent­täuscht. Aber war­um soll­ten wir nicht ein­fach einen Tag län­ger blei­ben? Glücklicherweise war unser Quartier auch noch für eine wei­te­re Nacht frei.

Lipari ist so schön, dass man es da eine gan­ze Weile aus­hal­ten könn­te. Es ist ein ein­la­den­der, char­man­ter Ort mit klei­nen Plätzen und engen Gassen, vie­len Cafés und Restaurants, leben­dig vol­ler Einheimischer und Touristen.

In der ers­ten Nacht gab es dann wirk­lich ein ful­mi­nan­tes Gewitter und der Tag dar­auf war sehr, sehr stür­misch. Eine Bootsfahrt wäre tat­säch­lich unmög­lich gewe­sen.
Wir haben erst das Museum besich­tigt und dann einen Spaziergang zur Südspitze der Insel gemacht. Von dem Weg aus hat­ten wir eine tol­le Sicht auf das toben­de Meer und die Insel Vulcano.

An der Spitze ange­kom­men, muss­ten wir uns hin­set­zen, damit wir nicht vom Sturm umge­ris­sen wer­den. Da war es auch schwie­rig, den Fotoappartat ruhig zu hal­ten.

Am nächs­ten Tag sind wir dann den Rest der Panoramorunde um Lipari gelau­fen (Rother Tour 51), auf den Monte Guardia hin­auf und zum Strand Valle Muria hin­ab gestie­gen.
Es war immer noch sehr stür­misch. Baden konn­ten wir des­halb lei­der nicht, aber aus­gie­big dem Rauschen der Wellen und Rollen der Steine zuhö­ren, den Blick auf die Felsen und die vie­len Farben des Meeres schwei­fen las­sen.

Obwohl die Stadt vol­ler Menschen war, hat­ten wir die Wanderwege wie­der für uns allein. So blieb viel Zeit und Muse, die Aussicht zu genie­ßen und die klei­nen Dinge am Wegesrand zu bewun­dern.

Sizilien - i-Tüpfelchen

Unbekannte Pflanzen und Tiere zu ent­de­cken, ist für mich immer das i-Tüpfelchen auf dem Urlaub.

Unser ers­tes Quartier lag direkt am Naturreservat Vendicari. In dem Reservat befin­den sich eini­ge Lagunenseen, in denen ver­schie­de­ne Zugvögel Rast auf ihrem Weg nach Süden machen. Ich hat­te gar nicht damit gerech­net, dass wir über­haupt Vögel sehen, aber da hat­te ich mich geirrt.

Zuerst hat­te ich nur den schla­fen­den Vogel rechts oben ent­deckt. Die rosa Farbe konn­te ich mit blo­ßem Auge nicht erken­nen und so wuss­te ich über­haupt nicht, was da im Wasser stand. Aber dann kamen zum Glück noch mun­te­re Flamingos zum Vorschein. So schön!

Später konn­te ich die Löffler aus­ma­chen. Es ist sehr put­zig anzu­se­hen, wie sie im Wasser daher­schrei­ten und dabei ihren Schnabel hin und her schwin­gen.

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Auf einem Acker am Rande des Reservats habe ich die­se „Stricknadeln" gefun­den. Ein Stachelschwein hat­te eine lan­ge Spur hin­ter­las­sen. Kurze, lan­ge, dicke, dün­ne - die gan­ze Haarpracht lag aus­ge­brei­tet. Ein paar muss­te ich natür­lich auf­sam­meln.

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Auch erstein­mal auf­ge­sam­melt habe ich die­se Tudorella - Landdeckelschnecke. Solche Schneckendeckel hat­te ich ja bis­her nur ein­zeln am Meer gefun­den, nun end­lich mal mit Schnecke dran. Nach aus­gie­bi­ger Betrachtung habe ich die Schnecke wie­der aus­ge­setzt.

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Mehrmals hat­ten wir das Glück, Bienenfresser beob­ach­ten zu kön­nen. Wenn man den Ruf die­ser Vögel erst­mal kennt, kann man sie schnell ent­de­cken. Sie sind so groß wie Spechte, sehr scheu und flie­gen immer in Scharen. Das Federkleid schil­lert und glit­zert in der Sonne tür­kis, die aus­ge­brei­te­ten Flügel sind rich­tig son­nen­gelb. Eine Pracht!

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Ganz präch­tig sah auch die­ser rät­sel­haf­te Baum aus, den wir zum ers­ten Mal an der Autobahnraststätte ent­deckt hat­ten.

Später fan­den wir noch eine wei­ßes Exemplar mit recht haa­ri­gen Früchten. Diese Wollhaare brach­ten mich dann auch zu des Rätsels Lösung. Es ist ein Kapokbaum. Die Fasern sind nicht spinn­bar, kön­nen aber als Füll-, Polster- und Isoliermaterial genutzt wer­den.

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Ein i-Tüpfelchen war eigent­lich auch die gan­ze Landschaft im Süden der Insel. Die wei­ten, hüge­li­gen Täler mit den vie­len gut gepfleg­ten Obst-, Wein- und Olivenplantagen, umrahmt von hohen Gebirgszügen, haben mir sehr gefal­len.

Sehr oft konn­ten wir eine recht selt­sa­me Art und Weise der Ackerpflege beob­ach­ten. Abgeerntete Felder wur­den offen­sicht­lich an meh­re­ren Seiten ange­zün­det. Ob so Unkraut und Kleintiere ver­nich­tet wer­den sol­len?

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Hier endet mein Bericht über Sizilien. Der Reisebericht ist aber noch nicht abge­schlos­sen. Ich muss doch noch erzäh­len, wie wir auf einer ande­ren Insel einen klei­nen Drachen bezwun­gen haben ;).