Über Stock und Stein

Den ganzen Tag nur am Strand zu liegen ist nicht so unsere Sache. Wir waren natürlich auch wieder wandern – durch Schluchten und auf Berge – über Stock und Stein im wahrsten Sinne des Wortes!

Das Ziel für alle wanderwilligen Kretaurlauber ist die Samaria-Schlucht. Der Schluchteinstieg war von unserem Quartier aus schwer zu erreichen und ich hatte ehrlich gesagt auch keine Lust, erst mal 3 Stunden lang ungefähr 900 Höhenmeter hinunterzusteigen. Deshalb haben wir die einfache Variante gewählt und sind von unten hineingelaufen und dann wieder zurück.

Kreta8

Aber unsere Begeisterung hielt sich in Grenzen. Sicher sind die Schluchtwände hier am höchsten und, und, und … Aber: Der Weg ist touristensicher ausgebaut. Es gibt Rastplätze und mit Trillerpfeifen bewaffnete Rancher, die aufpassen, dass niemand einen Fuß abseits des Weges aufsetzt oder mal die Hand in den Bach hält. Und dazu viel zu viele Menschen (obwohl es vielleicht nur 300 oder 400 waren und nicht 3000 oder 4000, wie im Reiseführer steht).

Auf jeden Fall gibt es viel schönere und erlebnisreichere Schluchten, in denen man der Bergziege begegnet und den Weg zwischen den großen Steinblöcken suchen muss, in denen Feigenbäume und wilder Wein zum Naschen einladen und ab und an sogar noch Mönchspfeffer und Oleander blühen.

Kreta9

Chochlakies-Schlucht zum Karoumes-Strand

Kreta10

Richtis-Schlucht mit Wasserfall

Dort, wo es Wasser gibt, ist die Vegetation sehr üppig. Besonders schön war die Wanderung durch die Richtisschlucht. Riesige Platanen säumten den Weg, umschlungen von Efeu oder Trichterwinde. Ein ganzes Stück musste man über große Steine klettern, sodass ich gar keine Fotos machen konnte. Am Wasserfall war es dann fast wie in einer Szene aus dem Indianerfilm. In dem kleinen See haben wir ein sehr erfrischendes Bad genommen.

Ganz anders waren die Wanderungen auf die Berge. Dort ging es wirklich über Stock und Stein. Bei jedem Schritt muss man die Füße heben.

Kreta11

Rund um Kato Zakros

Es geht von Wegzeichen zu Wegzeichen, ein richtiger Weg ist eigentlich nicht zu erkennen. Es herrscht eine himmlische Ruhe, nur ab und an hört man die Glocke oder das Meckern einer Ziege. Obwohl die Sträucher vertrocknet und grau aussehen, duftet es nach Thymian. Und man kann fantastische Ausblicke auf die Berge und das Meer genießen. Irgendwann ist man dann dort, wo vorher schon die Bergziege gewartet hat ;).

Kreta12

Erstaunliche Pflanzen

Es ist warm, es ist trocken. Der Sand ist so heiß, dass man nicht mit bloßen Füßen laufen kann und dann zarte, weiße Blüten.

Kreta6

Die Dünen-Trichternarzisse, auch Strandlilie genannt.

Oder in den Bergen, Stein an Stein, kaum ein bisschen Erde…

Kreta5

und dazwischen die filigranen Blüten der Weißen Meerzwiebel.

Diese beiden Pflanzen kannten wir schon von früheren Reisen, aber es gab auch wieder neue Gewächse, die wir noch nie gesehen hatten.

Heute habe ich mal gesucht, was das wohl sein könnte.

Kreta7

Hier tippe ich auf den Schellenbaum. Alle Teile des Baumes sollen hochgiftig sein. Im Dorf stand er zur Zierde am Straßenrand. Und es hatte nicht einmal den Anschein, dass er dort zufällig gewachsen war.

Genauso giftig ist die Baumwoll-Seidenpflanze.

Kreta4

Ich habe sie beim Wandern an einer feuchten Stelle am Wegesrand entdeckt. Eigentlich wollte ich eine Libelle fotografieren. Vielleicht wäre mir die Pflanze mit den seltsamen Früchten sonst gar nicht aufgefallen.

Die Weiße Meerzwiebel ist übrigens auch sehr giftig. Ansonsten hätten die vielen Bergziegen sie bestimmt schon alle aufgefressen.

September-Kalenderblatt

Kreta3

Die vielen Olivenbäume auf Kreta haben mich inspiriert, für das September-Kalenderblatt die Bäume zu stricken. Die Olivenbäume sind das wichtigste landwirtschaftliche Produkt Kretas. Beim Wandern durch die Schluchten trifft man auf sehr alte Bäume mit bizarren Stämmen und Kronen. Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, fährt man durch riesige Olivenhaine. Die Bauern sind den ganzen Tag unterwegs, um die Felder zu bewässern. Die Ernte beginnt dann im November, wenn die letzten Touristen die Insel verlassen haben.

Die Bäume habe ich nach dieser Anleitung gestrickt. Sie basiert auf einem Muster der Sammlung von Barbara Walker: A Treasury of Knitting Patterns. Ich habe dafür Wollmeise Pure in der Farbe „Olio vergine” und die Nadelstärke 2,25 verwendet.