Reines Leinen

Beflügelt von mei­nen zwei schö­nen Leinenstrickprojekten und ange­steckt vom Hype um den Pullover „Linho" von Joji Locatelli habe ich mich an rei­nes Leinen gewagt und eini­ges an Lehrgeld gezahlt. Im Nachhinein schwan­ke ich immer­noch zwi­schen „will mehr" und „lass die Finger davon". Aber für die­sen Sommer lohnt es sich sowie­so nicht mehr …

Linho von Joji Locatelli - gestrickt mit Nadel Nr. 3,5 aus 260 g Sparrow von Quince & Co. (100% Leinen - 154 m/50 g - Farbe Moon)

Das Leinen lässt sich auch an hei­ßen Tagen gut ver­stri­cken. Es glei­tet wun­der­bar über die Nadel und spal­tet sich nicht, aber es ist sper­rig und ein biss­chen wider­bors­tig. Das Gestrick sieht kra­ke­lig wie eine Kinderschrift aus. Da ich es lie­ber mag, wenn eine Masche der ande­ren gleicht, war ich schon nach dem ers­ten Strang unschlüs­sig, ob ich über­haupt wei­ter­stri­cken soll. Deshalb habe ich das ange­fan­ge­ne Stück erst­mal ins Wasser gelegt und gese­hen, was pas­siert. Es trat eine wun­der­ba­re Wandelung ein: Das Gestrick wur­de wei­cher und flie­ßend. Das Maschenbild hat­te sich ausgeglichen.
Also wei­ter. Zweifel kamen dann wie­der auf, als nach der Aufteilung in Ärmel und Körper unter den Achseln kei­ne Maschen zusätz­lich auf­ge­nom­men wur­den. Trotzdem habe ich erst­mal wei­ter­ge­strickt, bis das Knäuel alle war am Körper, dann den ers­ten Ärmel.
In der Anleitung stand schon, dass das Leinen nach dem Waschen län­ger wird. Um nun die rich­ti­ge Ärmellänge zu errei­chen, habe ich wie­der zwi­schen­ge­wa­schen und fest­ge­stellt, dass der Ärmel viel zu eng ist. Wie eine Wurstpelle kleb­te er auf dem Arm.
Statt wenigs­tens jetzt zu tren­nen, habe ich mir ein­ge­re­det, dass der Ärmel ja spä­ter beim Tragen noch wei­ter wer­den könn­te. Nachdem dann auch das Körperteil fer­tig war und der Pullover zum drit­ten Mal gewäs­sert, muss­te ich ein­se­hen, dass es so nichts wird. Wegen der feh­len­den Maschen unter dem Arm und dem engen Ärmel war der gan­ze Pullover sehr unge­quem. Nun also doch: zwei Drittel wie­der aufgetrennt.
Jetzt befand ich mich jedoch ein biss­chen in der Zwickmühle. Das Körperteil war ja eigent­lich breit genug, aber nur den Ärmel wei­ter zu machen, funk­tio­nier­te irgend­wie nicht. Deshalb habe ich unter bei­den Achseln 8 Maschen zusätz­lich auf­ge­nom­men. Diese Maschen habe ich zwar an den Seiten spä­ter wie­der abge­nom­men, aber ins­ge­samt ist der Pullover doch ein biss­chen zu weit.

Die Ärmel habe ich mit der grö­ße­ren Maschenzahl nach Anleitung gestrickt. So pas­sen sie wun­der­bar. Ich habe aber fest­ge­stellt, dass das Leinen beim Waschen nicht nur län­ger, son­dern auch schma­ler wird (Maschenprobe vor dem Waschen 19 Maschen/32 Reihen auf 10 cm, nach dem Waschen 24 Maschen/28 Reihen).

Auf dem mitt­le­ren Foto liegt der gewa­sche­ne auf dem unge­wa­sche­nen Ärmel. Rechts ist der Unterschied auch deut­lich zu erken­nen. Ich hat­te nach dem ers­ten Ärmel zwi­schen­ge­wa­schen, um die rich­ti­ge Länge zu finden.
Links sieht man noch das eigent­lich für Ärmel und Körper vor­ge­se­he­ne Rechts-Links-Bündchen. Ich fand das nicht so pas­send und habe statt­des­sen in einer Rückreihe mit dop­pel­tem Faden rechts abgekettet.

Die Fotos sind letz­ten Sonnabend in Zuschendorf ent­stan­den. Wir haben uns im Landschloss die Hortensienschau angesehen.

Schön auch die Seerosen im Schlossteich.

Sommerfest

In die­sem Jahr hat­te uns Ute in ihren schö­nen Garten zum Sommerfest ein­ge­la­den. Der Regen hat tat­säch­lich für die­se Nachmittagsstunden eine Pause gemacht und so konn­ten wir auf die Leinen hän­gen, was im letz­ten Jahr ent­stan­den ist.
Unser Gestricktes und Genähtes pass­te wun­der­bar in Utes Blumenparadies. Seht selbst - es ist ein klei­ner Augenschmaus.

Für mich war das Sommerfest wie immer Motivation, ein paar Dinge fer­tig­zu­stel­len, die schon lan­ge in einer Kiste schlum­mer­ten. In den nächs­ten Tagen zei­ge ich sie noch­mal extra.

Zick-Zack-Top

Jetzt gab es im Lieblingswolleladen von dem Linodoro noch ein schö­nes hell­blau. Da muss­te ich doch gleich noch­mal etwas mit­neh­men. Eine Idee dafür fand sich auch schnell: das Zick-Zack-Top vom Marianne Isager aus dem Buch „Stricken á la car­te". Das Buch ist inzwi­schen schon fast ein Klassiker. Die ursprüng­li­che Ausgabe wur­de durch zwei Nachfolgebände abge­löst. Ich weiß gar nicht, ob die Anleitungen genau über­nom­men wur­den oder ob es eine Überarbeitung gab. Das Original-Buch erfor­dert jeden­falls eine gan­ze Menge Strickkenntnisse und Vorstellungskraft, um die Modelle erfolg­reich nach­zu­ar­bei­ten. Die Anleitungen lesen sich mehr wie Notizzettel mit ein paar Maschenzahlen und Tipps, die man einer Strickfreundin auf­schreibt, die weiß, war­um es geht. (Vielleicht bin ich von vie­len guten Anleitungen bei Ravelry inzwi­schen ver­wöhnt, schließ­lich hat­te ich die Zick-Zack-Jacke vor über 10 Jahren auch hin­be­kom­men. Ich erin­ne­re mich aber auch an eini­ge schwie­ri­ge Passagen. Hier ist die Jacke ein biss­chen zu sehen. Inzwischen ist sie „auf­ge­braucht", die Ärmel sind durchgewetzt.)

Zick-Zack-Top von Marianne Isager - gestrickt mit Nadel Nr. 3 aus Linodoro von Schulana (15% Leinen, 85% recy­cel­tes Leinen - 140 m/50 g - 140 g Farbe 8, je 50 g Farben 2 und 22)

Weil mein Garn dün­ner war als ange­ge­ben, habe ich Größe M gestrickt, um S zu erhal­ten. Am Rückenteil habe ich genau­so einen Ausschnitt wie vorn gestrickt. Ein Sommertop kann schon ein biss­chen luf­tig sein. Mit den seit­lich Abnahmen habe ich etwas spä­ter begonnen.
Ursprünglich woll­te ich das Top ein­far­big stri­cken. Dann fiel mir ein, dass ich noch zwei Probierknäuel von dem Garn hat­te, die eigent­lich mit ver­ar­bei­tet wer­den könn­ten. So habe ich wie­der den Random Stripe Generator benutzt und gleich beim ers­ten Versuch eine schö­ne Streifenfolge erhalten.

Inzwischen habe ich das Top schon oft getra­gen und ich bin sehr ange­tan von dem Leinen. Es ist ein rich­tig gutes Sommergarn.
Die Fotos sind bei einer Wanderung über den Rauenstein ent­stan­den. Da pass­te das Muster sogar zum Zickzack des Geländers ;).

Den Weg über den Rauenstein kann ich für eine klei­ne Sonntagswanderung sehr emp­feh­len. Von Stadt Wehlen aus geht es sehr abwech­lungs­reich im wahrs­ten Sinne des Wortes über Stock und Stein zum Gipfel. Dort kann man sich in einer klei­nen Bergwirtschaft stärken.

Besser ist es, man hält noch ein Stündchen aus und läuft über Weißig, an den Eulensteinen vor­bei zur Johann-Alexander-Thiele-Aussicht und der Malerweg-Kapelle und von dort aus nach Thürmsdorf. Gleich am Schloß kann man in der Schokoladenmanufaktur vie­le lecke­re Sachen genie­ßen. Zurück nach Wehlen geht es dann über den Kleinen Bärenstein. Dort liegt noch das Robert-Sterl-Haus am Wege.
(Eine Karte zur Tour gibt es hier.)