Rückzu über Glasgow

No­ch ein­mal ha­ben wir das lu­xu­riö­se Früh­stück im Ho­tel ge­nos­sen,

no­ch ein­mal aus dem Ho­tel­fens­ter ge­blickt, die schö­nen ge­web­ten Kis­sen an­ge­him­melt und dann auch die Mu­scheln ein­ge­packt.

Die Rück­fahrt mit Fäh­re und Bus war no­ch ver­reg­ne­ter als die An­rei­se und von Glas­gow war ich erst­mal ent­täuscht. Wir hat­ten nichts ge­plant und an­ge­nom­men, ein paar Stun­den am Abend und am Mor­gen im Stadt­zen­trum ver­bum­meln zu kön­nen. Aber so rich­tig hat uns nichts be­ein­druckt. Der Haupt­bahn­hof war zwar in­ter­es­sant, aber als Tou­ris­ten stan­den wir dort zum abend­li­chen Be­rufs­ver­kehr ganz schön im We­ge rum. Die Ge­schäf­te schlos­sen grö­ßen­ten­teils 18 Uhr und ein ty­pi­sch schot­ti­sches Re­stau­rant war auch nicht zu fin­den.

Am nächs­ten Mor­gen sind wir dann zur Ka­the­dra­le ge­lau­fen. Dort wur­de ich we­nigs­tens von ein paar tex­ti­len Schät­zen über­rascht:

ein ap­pli­zier­tes und be­stick­tes Kan­zel­tuch und ein Quilt und Knie­kis­sen in Ka­ne­vas­s­ti­cke­rei für den Schrein von St. Mun­go,

rie­si­ge ge­web­te Wand­tep­pi­che, zu de­nen ich lei­der nichts wei­ter ge­fun­den ha­be.

Un­weit der Ka­the­dra­le ent­deck­ten wir dann das er­s­te Mu­ral (Wand­ma­le­rei als Streetart-Begriff).

Fas­zi­nie­rend!

Schon am Vor­abend hat­te ich eins ge­se­hen: das schwar­ze Au­to mit den Luft­bal­lons. Dort woll­te ich jetzt auch noch­mal vor­bei.

Wir ka­men um be­sag­te Stra­ßen­ecke und sa­hen das Mäd­chen.

Schließ­li­ch fiel mir auch das Bild ge­gen­über un­se­rem Ho­tel auf.

Wie­der zu hau­se ha­be ich mi­ch ge­nau­er mit den Bil­dern be­fasst und war ein biss­chen ver­är­gert über mi­ch selbst. Glas­gow bie­tet Streetart-Künstlern viel Platz für ih­re Wer­ke. Es gibt so­gar den Glas­gow Ci­ty Cen­tre Mu­ral Trail mit Kar­te. So ein­fach hät­ten wir die Zeit in der Stadt in­ter­es­sant ver­brin­gen kön­nen!

Zur Er­gän­zung:
Ers­tes Bild von Smug – nimmt Be­zug auf die Ge­schich­te Glas­gows, St. Mun­go und die Wie­der­er­we­ckung des Rot­kehl­chens
Zwei­tes Bild – Smug „Ho­ney, I Shrunk the Kids“
Drit­tes Bild – Rogue-One and Art Pis­tol „The World’s Most Eco­no­mi­cal Ta­xi“
Vier­tes Bild – Smug „The Gal­le­ry“ (hier zu ent­de­cken: Munchs Schrei, ei­ne Dali-Uhr und die Wel­le von Ho­ku­sai – das Bild ging um die Ecke wei­ter und wir ha­ben es ver­passt :((( )

Und am Ufer der Cly­de „Glasgow’s Ti­ger“ von Klin­ga­tron mit Art Pis­tol:

Nochmal Islay

Am letz­ten Tag auf Is­lay ha­ben wir die Whis­ky­bren­ne­rei von Bow­mo­re be­sucht. Zwei Mal täg­li­ch wer­den Füh­run­gen durch De­stil­le­rie an­ge­bo­ten, die dann mit ei­ner klei­nen Ver­kos­tung en­den. Nun bin ich ja kei­ne Whisky-Kennerin und auch mei­ne Eng­lisch­kennt­nis­se sind nicht so gut, dass ich wirk­li­ch viel ver­stan­den ha­be. Aber auf dem gan­zen Ge­län­de sind mehr­spra­chi­ge In­for­ma­ti­ons­ta­feln auf­ge­stellt und ich konn­te mi­ch auch an den his­to­ri­schen An­la­gen und Ge­rät­schaf­ten sehr er­freu­en.

Was da so in den Tanks und Bot­ti­chen bro­delt, sieht nicht sehr ap­pe­tit­li­ch aus.

Am En­de ist im Glas da­von nichts mehr zu se­hen und zu schme­cken. Das rau­chi­ge Aro­ma vom Mäl­zen über Torf bleibt aber no­ch lan­ge im Mund zu­rück.

Wir sind dann no­ch ein biss­chen durch Bow­mo­re spa­ziert,

be­vor wir am Nach­mit­tag nach Port El­len ge­fah­ren sind. Dort gab es nichts In­ter­es­san­tes zu ent­de­cken und wir hat­ten Mü­he uns bei recht kal­tem Wind die Zeit zu ver­trei­ben, bis der nächs­te Bus zu­rück fuhr.

Vie­le Tou­ris­ten kom­men ex­tra we­gen des Whis­keys nach Is­lay. Im­mer­hin gibt es no­ch 8 von ehe­mals 23 De­stil­le­ri­en auf der In­sel. Is­lay ist aber auch we­gen sei­ner vie­len Vö­gel in Feld und Flur be­liebt. Au­ßer den tau­sen­den Gän­sen, un­zäh­li­gen Mö­wen und Krä­hen ha­ben wir no­ch ei­ni­ge an­de­re, be­kann­te und un­be­kann­te Schön­hei­ten ge­se­hen:

Dros­seln,

vie­le bunt schil­lern­de Sta­re,

Fa­sa­ne,
(lus­tig – er sieht mi­ch, ver­steckt si­ch, guckt wie­der und fliegt dann doch lie­ber da­von)

Aus­tern­fi­scher (no­ch re­la­tiv schnell iden­ti­fi­ziert),

Strand­pie­per (wa­ren mir voll­kom­men un­be­kannt)

und am letz­ten Tag dann Sand­re­gen­pfei­fer.

Im Märchenwald von Bridgend

Die Wäl­der rund um Brid­gend wur­den zu Be­ginn des 19. Jahr­hun­derts zu­sam­men mit Is­lay Hou­se an­ge­legt. Vie­le der da­mals ge­pflanz­ten Bäu­me sind no­ch er­hal­ten. Al­so säu­men gro­ße, al­te Mam­mut­bäu­me, Ul­men, Bu­chen und Maulbeer-Feigen (wirk­li­ch ? – Quel­le) den Weg. Da­zwi­schen blü­hen über­all die Os­ter­glo­cken.

Das Un­ter­holz bil­den Rhododendron-Büsche. Wie mag es sein, wenn die al­le blü­hen? Es ist zu se­hen, dass vor den Os­ter­glo­cken ganz vie­le Schnee­glöck­chen ge­ge­ben ha­ben muss. Im Som­mer soll der gan­ze Wald vol­ler blau­er Glo­cken­blu­men sein.

Kurz vor un­se­rem Ziel kommt uns ein Ha­se ent­ge­gen und bald ist die Is­lay Wool­len Mill zu se­hen.

Wir wer­den vom Be­sit­zer der Müh­le freund­li­ch be­grüßt und er führt uns auf den Dach­bo­den. Dort er­zählt er uns ei­ni­ges zur Ge­schich­te der We­be­rei. Sie wur­de 1883 ge­grün­det und ist die ein­zi­ge Müh­le der In­sel. 1981 wur­de sie neu er­öff­net. In der We­be­rei wer­den Tweed­stof­fe ent­wor­fen und auf zwei vik­to­ria­ni­schen Web­stüh­len pro­du­ziert. Teil­wei­se wird ein­hei­mi­sche Wol­le ver­wen­det. Die Müh­le be­lie­fert Händ­ler in Schott­land, Eng­land, Frank­reich und Deutsch­land, hat schon Stof­fe für Hollywood-Filme ge­webt.

Ein paar Im­pres­sio­nen:

Man kann die Stof­fe vor Ort kau­fen. Es gibt auch An­zü­ge, Ta­schen, Hü­te, De­cken und Schals. Ich woll­te gern et­was Wol­le mit­neh­men. Aber da war nichts zu se­hen. Der In­ha­ber mein­te, dass die Wol­le zum Stri­cken nicht ge­eig­net sei. Aber für mei­nen klei­nen We­brah­men woll­te er mir dann gleich ei­ne gro­ße Tü­te voll­pa­cken. Das hät­te aber nie­mals in un­se­ren Kof­fer ge­passt. Des­halb ha­be ich mir nur ei­ne Ko­ne mit blau­er Wol­le aus­ge­sucht. Ich ha­be sie ge­schenkt be­kom­men – das wä­re mein nächs­tes Weih­nach­ten ;).

Jetzt hat die Ko­ne ei­nen be­son­de­ren Platz in mei­nem Hand­ar­beits­zim­mer. Es sind 500 g in der Far­be den­im mit NM 11,5/1. Das be­deu­tet, dass die Wol­le ein­fä­dig ist und 100 g ei­ne Lau­f­län­ge von 1150 m ha­be. Na­tür­li­ch ha­be ich schon ver­sucht, die Wol­le zu ver­stri­cken. Das hat si­ch ei­gent­li­ch ganz gut an­ge­fühlt.

Auf dem Rück­weg zur Stra­ße hat­ten wir dann no­ch ei­ne über­ra­schen­de Be­geg­nung. Das war dann ein schö­ner Ab­schluss für den er­leb­nis­rei­chen Tag.