Üzümlü

Bea und John hat­ten uns emp­foh­len nach Üzümlü zu fah­ren, in das klei­ne Dorf in den Bergen ober­halb von Fethiye.

Im Ortszentrum ist der alte Dorfkern mit sei­nen osma­ni­schen Häusern erhal­ten geblie­ben. Viele die­ser Natursteinhäuser sind noch bewohnt und man läuft stau­nend durch die Gassen. Am Dorfplatz sit­zen die alten Männer unter der Platane. Die Schulkinder kom­men gera­de nach hau­se. Der Schneider arbei­tet an einer neu­en Hose. Aber all das ist kein Museumsdorf, es ist der Alltag der Menschen, die über­wie­gend von der Landwirtschaft, vom Wein- und vom Tabakanbau leben.

Das beson­de­re an Üzümlü ist, dass in vie­len Häusern ein Webstuhl steht. Überall wird man von den Frauen her­ein­ge­be­ten, um die herr­li­chen Schals und Tücher, die aus ganz fei­nen Baumwoll- und Seidenfäden gewebt sind, zu bewun­dern (und zu kau­fen). Man bekommt die Tücher um den Hals gelegt und darf sich im Spiegel bewun­dern. Die Frauen zei­gen auch gern, wie sie an ihrem Pedal-Webstuhl arbei­ten und wie die Muster ent­ste­hen. Dafür wer­den dicke­re wei­ße oder far­bi­ge Fäden über eini­ge Kettfäden mit der Hand ein­ge­legt. Dann wer­den wie­der ein oder zwei Schussfäden gewebt und der Musterfaden dabei mit fest­ge­drückt. Leider konn­ten wir uns nicht rich­tig ver­stän­di­gen.

Die Frauen haben uns auch gestrick­te und gehä­kel­te Tücher gezeigt. Besonders schön fand ich den schwar­zen Schal rechts unten. Er soll gehä­kelt sein. Aber das ist wahr­schein­lich ein Übersetzungsfehler, oder?

Diese Frau war gera­de dabei, die Fransen eines Schales zu ver­dre­hen. Ich hät­te zu gern gewusst, wie lan­ge sie wohl an die­sem Stück gewebt hat! Und seht mal, wie alt der Webstuhl ist. Die Heugabel ist aus einem Ast gefer­tigt und stützt nun die eine Seite.

Hier steht der Webstuhl vor dem Haus auf der Straße. Diese klei­ne Frau hat mich sehr an mei­ne Omi erin­nert.

Bea hat mir spä­ter erzählt, dass es im Dorf eine Kooperative gibt, die sich für die Erhaltung und Weiterführung der Webkunst ein­setzt. Die jun­gen Frauen des Ortes haben Kleidungsstücke gewebt, aus­ge­stellt und auch Modenschauen orga­ni­siert. So soll die Tradition des alten Handwerkes fort­ge­setzt wer­den.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.